Es ist das Jahr 975. Ihre Völker sind verfeindet, doch ihr gemeinsames Schicksal schweißt sie zusammen: Malina, die slawische Fährmannstochter, und Heinrich, den Deutschen. Als Sklavenhändler durch Spandau ziehen - damals eine kleine Siedlung auf dem Boden des heutigen Berlin -, geraten sie in Gefangenschaft. Mit einem Schlag endet ihr bisheriges Leben, und eine Reise voller Ungewissheiten beginnt. Ihr Weg führt sie über Verdun, die Stadt der "Eunuchenmacher", nach Cordoba in das glanzvolle Reich des Kalifen von Al-Andalus, von wo es für Heinrich noch weiter geht über die tief in der Sahara gelegenen Salzminen von Teghaza bis in das afrikanische Goldland Gana. Im Verlauf dramatischer Ereignisse erlangen Heinrich und Malina ihre Freiheit zurück. Endlich könnte sich ihr Leben zum Guten wenden, da kommt es auf dem Rückweg in die Heimat zu einer verhängnisvollen Begegnung. 

 

Manfred Lentz

"Sklaven für den Kalifen"

Verlag BoD 2016

376 Seiten

Taschenbuch EUR 12,99

E-Book EUR 7,49

ISBN 978-3-7412-5435-2


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Das Abenteuer

"In einigem Abstand glitt die Fähre an dem Einbaum vorüber, wich geschickt einigen Strudeln an der Einmündung der Spree in die Havel aus, und schob sich am anderen Ufer in den Sand. Malina wies auf den Mann, der die ganze Zeit über am Wasser gewartet hatte. 'Ihr Anführer', gab sie sich überzeugt. Breitbeinig stand er da, die Arme selbstbewusst vor der Brust verschränkt. An der Seite seines braun-weiß gestreiften Kapuzenmantels hing unübersehbar ein Schwert. 'Jetzt werden sie um die Bezahlung feilschen', bemerkte sie, als Myslaw die Fähre verließ und dem Anführer gegenübertrat. 'Diese Sklavenhändler sind harte Burschen. Mit denen darf man sich nicht anlegen, sagt Myslaw immer. Sklavenhändler haben einen Stein, wo andere ein Herz haben. Sie schrecken vor keiner Gemeinheit zurück. Als unser Vater noch die Fähre fuhr, war er derselben Ansicht.'

Wie um das Gesagte zu unterstreichen, entspann sich am anderen Ufer ein kurzer Wortwechsel, der dadurch beendet wurde, dass der Händler Myslaw eine Münze zeigte, sich gleich darauf abwandte und auf diese Weise zum Ausdruck brachte, dass er das Geschäft für abgeschlossen hielt. Mit einer gebieterischen Geste bedeutete er seinen Männern, mit dem Verladen der Sklaven zu beginnen."

Die Liebe

"Mandelbäume und Oleanderbüsche säumten den Weg zu dem zierlichen Bauwerk, das über und über mit Rosen berankt war. Davor erstreckte sich ein von zwei wasserspeienden Steinelefanten bewachtes Becken, beinahe zehn Schritte im Geviert, das um diese Zeit eine ebensolche Ruhe ausstrahlte wie die Bäume, die Büsche und das kleine Gebäude, in dessen hell glasierten Dachziegeln sich das Mondlicht brach. Die Tür - mit ihren Schnitzereien tagsüber gewiss eine Augenweide, jetzt jedoch mit Finsternis überzogen - schien nur angelehnt. Die Fenster waren geschlossen wie stets zu dieser Jahreszeit, wenn der Wind kühl wehte und die Wärme des Sommers nicht mehr war als eine Erinnerung.

Noch bevor Heinrich die Tür berührte, wusste er, dass sie da war. Als gäbe es einen unsichtbaren Faden, der sie beide miteinander verband. Leise trat er ein. Seine Augen versuchten, sich in dem Dunkel zurechtzufinden - ein rundes Tischchen in der Mitte des Raumes, Sitzkissen darum, unter dem gegenüberliegenden Fenster eine halbmannshohe Ziervase. Und daneben ein Wandschirm. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, als sie dahinter hervortrat."

Die Exotik

"Er sprach ein kurzes Gebet, stand auf, ordnete seine Kleider und strebte mit gemessenen Schritten auf eines der Tore zu, durch das er vom Betsaal in den Moscheehof gelangte. Hochstämmige Palmen umstanden die Brunnen mit dem Quellwasser aus der Sierra Morena, an denen die Gläubigen ihre Waschungen vornahmen. Einen flüchtigen Blick auf das Minarett werfend, von dem der Muezzin fünfmal am Tag die Gläubigen zum Gebet rief, hielt er auf das Haupttor der Moschee zu und trat hinaus auf die Straße.

Eine Welt voll vielfältiger Geräusche, Gerüche und Bilder nahm ihn in Empfang. Er verharrte kurz und sog die klare Dezemberluft ein. Mehrere Bettler mit verkrüppelten Gliedmaßen und schwärenden Wunden näherten sich und streckten ihm wortreich die Hände entgegen. Von der Seite trat ein pausbäckiger Junge auf ihn zu und bot ihm die Dienste seines Meisters an, eines jener Schreiber, die sich zu Füßen der Moschee niedergelassen hatten, um mit makelloser Schrift und in wohlgesetzten Worten zu Papier zu bringen, wofür ihre Auftraggeber sie bezahlten. Ibn Said erteilte dem Jungen eine Abfuhr - ein Kaufherr wie er hatte seine eigenen Schreiber -, verteilte Almosen an die Bettler, wie sein Glaube es von ihm verlangte, und wandte sich zum Gehen. Mit ein paar Schritten reihte er sich in die Menge ein, die an der Moscheemauer entlangflutete und sich in die angrenzenden Gassen ergoss, um von dort wiederum beständig neuen Zufluss zu erhalten."

Die Natur

"Steine, so weit der Blick reichte. Die meisten faustgroß und kantig, auf der Oberseite mit einer pechschwarzen Kruste überzogen, gleichmäßig verstreut wie steinerne Samenkörner von einem steinernen Sämann. Nirgendwo etwas Lebendiges in dieser Einöde, in der Hammada, die so flach wie ein Tisch war und gänzlich ohne Schatten. Kein Halm, der sich bewegte, keine Schlange, die ihren Weg suchte, ja nicht einmal ein Skorpion unter dem Geröll oder ein Käfer, der im Schutz eines Erdlochs rastete. In der Ferne eine Bergkette, die sich undeutlich gegen den grau verschwommenen Morgenhimmel abhob, in dem die Melancholie der Erde ihr Echo gefunden hatte. In den anderen Richtungen fehlte jegliche Begrenzung zwischen Oben und Unten, was die Trostlosigkeit noch verstärkte. 'Garten des Teufels' wurde diese Steinwüste von denen genannt, die sie durchquerten. Ein Land mit nichts anderem als Steinen. Und mit Geistern - den Kel Essuf."